„Erfolg ist eine Treppe, keine Tür“

Zwei Frauen lächeln fröhlich in einem Schlitten auf der Skipiste, umgeben von Schnee und anderen Skifahrern.
Melanie Schratter liebt die Piste und jede sportliche Herausforderung. © Privat

Das sagt Melanie Schratter. Und meint damit: Wer etwas erreichen will, muss dafür kämpfen. Die 37-Jährige beweist, dass sich die Mühe lohnt: Seit 18 Jahren lebt die Vorarlbergerin mit spinaler Muskelatrophie und erobert die Welt – immer auf der Suche nach neuen Abenteuern. Die Sportangebote des ÖBSV kommen ihr da gerade recht.

Spontanität und Abenteuerlust

Melanie Schratter treibt auf dem Rücken in einem speziell angepassten Sitz, der fest auf einem kurzen Surfboard montiert ist, im Pool - das Gesicht dem Himmel zugewandt. Sie atmet tief ein, hält sich mit beiden Händen an einem Seil fest. Plötzlich wird sie ruckartig unter Wasser gezogen. Für Panik wäre es der falsche Zeitpunkt. Mit offenen Augen dreht sie sich zur Seite, stemmt sich mit dem Oberkörper gegen den Wasserdruck und bringt sich mit einer Rolle um die eigene Achse zurück an die Wasseroberfläche. Die Übung ist geschafft. Eine Simulation für den Ernstfall beim Kiteboarden: “Wenn der Kiteschirm hinter dir ins Wasser fällt, musst du sofort schauen, dass du ihn wieder vor dich bringst. Damit du wieder starten kannst”, erklärt sie.

Kiteboarden in Ägypten, das war für die 37-Jährige die “bisher außergewöhnlichste Sportart”, die sie in den vergangenen zweieinhalb Jahren ausprobiert hat. Ihre sportliche Vita liest sich wie ein kleines Sportlexikon: Boccia, Bogenschießen, Basketball, Eishockey, Fitness, Kiten, Schießen, Skifahren oder ZipliningSchratter hat schon fast alles ausprobiert. Woher diese Vielfalt? „Das ist bei mir immer sehr spontan“, erzählt sie lachend. Die treibende Kraft ist oft Rafaela Steininger, ÖBSV Bewegungs- und Informations-Coach aus Vorarlberg: “Die Raffi ruft mich an und sagt: ‚Hey, Melly, wir könnten das oder das einmal ausprobieren, bist du dabei?‘ Und dann sag ich meistens eh Ja. Ich bin für alles offen, und wenn sich die Möglichkeit ergibt, warum nicht?”

Zwei Personen stehen in hüfttiefem Wasser. Die vordere Person trägt einen Neoprenanzug und eine gelbe Schwimmweste und hält die Steuerstange eines Kitesurfers mit beiden Händen. Die hintere Person trägt ein orangefarbenes Shirt und einen Neoprenanzug und unterstützt die vordere Person beim Halten der Steuerstange. Im Hintergrund sind eine grüne Uferlandschaft und blauer Himmel zu sehen.
© Privat
Eine Person sitzt in einem Skibob mit Metallrahmen und wird von einer anderen Person auf Skiern über eine schneebedeckte Fläche geschoben. Die sitzende Person trägt einen Helm und dunkle Kleidung, während die schiebende Person eine helle Skijacke, eine Mütze und eine Skibrille trägt. Die Spuren im Schnee sind deutlich sichtbar.
© Privat

Ein Tag auf der Piste

Vor allem der Sport in den verschneiten Bergen hat es der Vorarlbergerin angetan. Dort nahm vor zweieinhalb Jahren alles seinen Anfang: “Ich war damals wenig aktiv. Meine Schwester hat mich wieder zum Skifahren mitgenommen – und ich hab sofort Blut geleckt.” Seitdem ist Skifahren ihr absolutes Highlight.

Apropos hoch hinaus: Mit „Ski for life Vorarlberg“ wagte Schratter erstmals den Ritt mit dem Bi-Ski auf dem Sessellift. “Das war schon spooky, aber dann auch einfach geil.”

Sowohl bei den Wintersporttagen als auch bei den Schnuppertagen der ÖBSV-Landesverbände im Westen Österreichs ist sie mittlerweile Stammgast. Die Atmosphäre und die Abwechslung haben es ihr besonders angetan: "Die Leute sind unglaublich hilfsbereit, nehmen sich Zeit und passen das Training individuell an – denn Rollstuhlfahrerin ist nicht gleich Rollstuhlfahrerin. Man fühlt sich willkommen und gut aufgehoben, die Angst wird einem genommen. Die vielen Möglichkeiten, die man hier hat, bereichern mein Leben. Nur weil man ein Handicap hat, heißt das ja nicht, dass man keinen Sport machen soll. Ich finde das Angebot einfach super – vor allem, weil man so viel ausprobieren kann.”

Mehr als nur Sport

Wohin sie ihre sportliche Neugierde noch führen wird, lässt sich Schratter offen. Skifahren und Rollstuhlbasketball sind Fixpunkte, alles andere kommt, wie es kommt. Ein Leben ohne Sport kann sie sich aber nicht mehr vorstellen – aus vielen Gründen: “Sport ist ja nicht nur Sport. Ich habe in den vergangenen zweieinhalb Jahren so viele neue Freundschaften geschlossen, einfach weil man das gleiche Hobby hat.”

Und auch ihr Umfeld sorgt dafür, dass die Vorarlbergerin weiterhin einen aktiven Lebensstil pflegen kann: “Ich habe mit meiner Familie und meinen Freundinnen und Freunden das große Los gezogen. Sie unterstützen und begleiten mich, wo es nur geht.”

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Aus dem ÖBSV Jahresbericht 2025

Zwei Personen befinden sich in einer Sporthalle mit Holzboden. Eine Person sitzt in einem Rollstuhl und hält einen weißen Ball in der Hand, die andere Person kniet daneben und hält einen roten Ball. Beide tragen sportliche Kleidung. Im Vordergrund liegen mehrere rote und blaue Bälle auf dem Boden. Im Hintergrund sind große Fenster, eine Wand mit kleinen Fliesen und gestapelte rote Gymnastikbälle zu sehen.
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Eine Person mit langem, blondem Haar trägt einen roten Helm und ein rotes Trikot. Sie sitzt auf einem Eishockey-Sitzschlitten und hält in jeder Hand einen kurzen Eishockeyschläger. Die Person trägt schwarze Handschuhe, eine schwarze Hose und Schlittschuhe. Im Hintergrund sind eine große Eishalle mit leeren Tribünen und weitere Personen auf dem Eis zu sehen.
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Auf dem Foto ist eine Person im Vordergrund zu sehen, die in einem Rollstuhl sitzt und an einem Schießstand mit einem Gewehr auf eine Zielscheibe zielt. Sie trägt eine rote Jacke und hat die Waffe konzentriert an der Schulter angelegt. Vor ihr befindet sich eine Ablage mit technischen Geräten, darunter ein Bildschirm, der offenbar die Treffer oder das Ziel digital anzeigt.  Im Hintergrund stehen weitere Personen an benachbarten Schießständen, ebenfalls mit Gewehren ausgerichtet auf die Zielscheiben. Der Raum wirkt wie eine moderne, gut beleuchtete Schießanlage mit nummerierten Zielbahnen und Holzverkleidungen an den Wänden. Über den Schießbahnen hängen zahlreiche Wimpel oder Schilder mit Vereins- oder Länderabzeichen.
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